mobile and Credit-Card Payment-Terminal in Copenhagen

Bargeldloses Bezahlen in Dänemark

Mit großen Augen und einem überraschten Gesichtsausdruck schaut mich die Verkäuferin in einem Stoffladen unweit des Hauptbahnhof Kopenhagens an: „Oh, Sie zahlen bar?“.

In diesen Worten steckt so viel von dem, was ich in den letzten Wochen hier in Dänemark über den Fortschritt moderner Zahlungsmittel gelernt habe. Und über den Zustand des Finanzwesens in Deutschland.

Ein Erlebnisbericht von meiner Reise in die Zukunft des bargeldlosen Bezahlens.

Das Erste was ich hier im Urlaubsort gemacht habe: ATM suchen. Ich brauche ja schließlich Bargeld. Nicht, dass ich in Deutschland ein großer Fan davon bin. Meine Geldbörse ist so klein, dass Scheine grundsätzlich längsgefaltet werden und Hartgeld notorische Platzprobleme hat.

Den ATM fand ich dank Google Maps schnell und meine VISA ließ ihn 2000 Dänische Kronen auswerfen. Dass ich damit in den folgenden zwei Wochen ein echtes Problem bekommen würde, ahnte ich zu dem Zeitpunkt nicht.

Nach den ersten Einkäufen schwante mir Schlimmes. Softeisstand, Burgerbude am Strand, Self-Service-Tankstelle, Supermarkt – egal in welchem Laden: immer wurde mir direkt ein Kartenlesegerät vor die Nase gehalten, auf dem bereits die zu zahlende Summe mit der Aufforderung „Place your card here“ stand. „Place your card here“ – ausnahmslos alle Geräte funktionierten via NFC (Near Field Communication). Da meine VISA das magische „Kontaktlos Zahlen“ Symbol aufgedruckt hat und ich diese Zahlungsweise heftig mag, blieb mein Bargeld in der Tasche stecken. Ich will nicht bestreiten, dass Bezahlen damit mehr Spaß macht, als Münzen zu zählen. Über die Risiken und Nebenwirkungen bin ich mir im Klaren.

Noch in diesem Jahr (2018) wurde ich in Deutschland mehrfach von Kassiererinnen gefeiert, als sie mich als ihr Debütant outeten, der mit der NFC-Funktion der VISA zahlte: „Sie sind der Erste, der das bei mir macht.“. Herrlich. Ich fühlte mich als Vorreiter einer neuen Technologie. In Dänemark gewinnst du Aufmerksamkeit, wenn du mit Bargeld zahlen möchtest.

In Kopenhagen, in einem Kaffeehaus, standen in der morgendlichen Flat-White-Latte-Soja-Macchiato-Beschaffung alle Kundinnen mit bereits gezückter Kreditkarte am Tresen und wedelten ungeduldig damit, die Karte auf´s Micro-Lesegeräte legen zu können, um 2 Meter ihren Wake-Up-Drink in Empfang nehmen zu können. Ein Bild für die Götter des Fortschritts.

Die Sache mit dem bargeldlosem Bezahlen eskalierte für mich komplett, als im Supermarkt an der Kasse neben mir eine Frau , Anfang 70, mit gezücktem iPhone (Model 5) und geöffneter App einen QR-Code scannte und so zahlte. Meine Frau musste mich zurückhalten, nicht in Jubel auszubrechen und mit der Kundin high five abzuklatschen. Halleluja, Bezahlen mit QR-Code!

Meine 2000 Kronen habe ich dann doch noch unter die Menschen gebracht. Wie oben beschrieben, gerne auch unter irritierten Blicken der Shop-Betreiber. Die einzige ganz reale Situation, in der ich 100 Kronen in Bargeld benötigte war übrigens, als ich am Straßenrand Münzen in eine Schale werfen musste, um mir frische Erdbeeren vom Bauern zu kaufen.

Der angsterfüllte Germane wird mir nun entgegenwerfen: Aber dann weiß die Bank ja, was du wann wo für wieviel gekauft hast.

Ja, dann weiß sie das jetzt wohl. Weiß sie bei meinen Onlineinkäufen auch. Aber wir haben ja jetzt die DSGVO und unsere Daten sind sicher und geschützt vor dem Zugriff Dritter. #zwinkersmiley

 

Schreib mir gerne, was du von bargeldlosem Bezahlen, NFC Kreditkartenzahlung (ohne PIN und Unterschrift) und QR-Code-Banking hältst. Ich freue mich über deine Sicht der Dinge und den Austausch.

  1. Kai Michael Poppe (twitter @kmpoppe)

    Ich musste dieses Jahr meine Bank erst dazu überreden, mir eine neue CC auszustellen, damit wir in Urlaub in GB vernünftig kontaktlos zahlen konnten. Diese blöde Angewohnheit meiner alten CC, Chip & Sign zu fordern, macht einen in jedem Supermarkt zur Persona Non Grata…
    NFC Payment ist für mich daher absolut ideal. Bargeld hat sich meiner Meinung nach einfach überholt. Diese ganzen Argumente (bessere Kontrolle der Ausgaben, Bank und Kartenbetreiber wissen was ich einkaufe) passen für mich nicht zum Problem dass immer mehr Leute überschuldet sind. Das hat nichts damit zu tun, mit welchem Zahlungsmittel man sein Geld mit vollen Händen ausgibt.
    Deutschland braucht dringend eine Revolution was die Akzeptanz von NFC angeht. Beispiele: Parkautomaten an der Straße (Mobilephone-Pay ist eine Alternative aber wie ein Anbieter mehr), Briefmarkenautomaten, Nährmittel-Verkaufsautomaten bei der Deutschen Bahn, …

  2. Dirk Langer

    Es erschreckt mich immer wieder, wenn ich aus dem Urlaub komme (Dänemark), wie weit wir in Sachen elektonischen bezahlen zurück hängen. Einkaufen, Parken, Brötchen holen u.s.w. selbst der Kaffee am Kiosk wird per Karte/NFC bezahlt. Trotzdem habe ich meine Finanzen im Auge, den heutzutage hat jeder eine App seiner Bank auf dem Smartphone. Ich wünschte Deutschland würde in Sachen Bargeldlos/NFC zahlen endlich mal Gas geben. Aber wir schaffen es ja nicht mal ein vernünftiges Internet Netz aufzubauen!

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