Blogger-Relations: ein Negativbeispiel

Gestern noch schrieb ich über die Veranstaltungen im Rahmen der Social Media Week, die sich mit dem richtigen Umgang mit Bloggern als Influencer beschäftigten. Neben Art und Weise wie sich Unternehmen/Agenturen diesen Partnern nähern sollten ging es bis zur finanziellen und rechtliche Gestaltung der Zusammenarbeit. Und heute erreicht mich folgende Mail:

Betreff: Schwer verständlich

Sehr geehrter Herr Groß,

auf Ihrer Seite
http://netzkombyse.de/impressum/
verweisen Sie auf ein sehr wichtiges Plugin zum Deaktivieren von Google Analytics:

http://tools.google.com/dlpage/gaoptout?hl=de

Mit dem Plugin können Nutzer selbst bestimmen, ob über sie persönliche Daten erhoben werden dürfen. Leider wissen viele aber nicht, wie man diese Software installiert und sind verwirrt. Gern können Sie daher kostenlos auf unsere Anleitung verlinken: <Link zum Blogbeitrag/>

Dadurch erfahren Ihre Nutzer, wie man das Plugin installiert und was es bewirkt. Schließlich möchte niemand Software auf dem Computer haben, von der er nicht weiß, was diese anstellt.

…ist ein Experten-Portal, das kostenfrei über aktuelle Themen aufklärt. Dabei unterstützen wir selbst renommierte Medien wie das ZDF oder Antenne Bayern. Sie können sich also sicher sein, dass unsere Erklärung regelmäßig geprüft und aktualisiert wird.

Wir würden uns freuen, wenn Sie Ihre Seite aktualisieren möchten.

Mit freundlichen Grüßen <Name des Geschäftsführers/>

Worum geht es? Ich habe im Impressum der Webseite meines Unternehmens(!) den rechtlich notwendigen Hinweis, wie Besucher die Erfassung seitens Google Analytics mit Hilf eines Plugins ausschalten können. Das Unternehmen, eine UG (haftungsbeschränkt), hat in einem Blogbeitrag auf der eigenen Webseite erklärt, wie man dieses Plugin richtig einsetzt und nutzt.Diese Mail zeigt in vielfältiger Weise, was man als Unternehmen und Agentur falsch machen kann, möchte man andere Personen für die Verbreitung von Inhalten gewinnen.

Hier eine kurze Auflistung der Fetteimer in die das Unternehmen in diesem Fall gesprungen ist:

  • Das Blog der NetzKombyse ist ein Corporate Blog. Ich habe bisher noch nie auf Workarounds oder anderen Frickelkram verwiesen. Ich berichte über Events und abstrahiere aktuelle Themen. Das wird beim Überfliegen der Beiträge recht deutlich.
  • Was hat der Betreff „Schwer verständlich“ mit der Anfrage zu tun? Bereits im Betreff wird harsche Kritik geübt. Danke dafür!
  • Eingriff in das Impressum: ein heikleres Feld gibt es in Deutschland wohl kaum. Soll ich im Impressum einen Verweis auf einen Blogbeitrag platzieren? Soll ich selber einen Beitrag schreiben? Was möchten der Herr Geschäftsführer von mir?
  • An keiner Stelle im Text findet sich das Wort „Bitte“, dafür: „…wenn Sie Ihre Seite aktualisieren möchten.“

 

Fazit:
Es ist grundsätzlich keine Schande, jemanden zu fragen, ob er eine Dienstleistung erbringen möchte. Doch das Beispiel zeigt, dass sich hier jemand nicht ansatzweise damit beschäftigt hat, mir auf Augenhöhe zu begegnen. Abgesehen von der arroganten Wortwahl im Befehlston wird nicht deutlich, welchen Vorteil ich von dieser Dienstleistung hätte. Dennoch bin ich dem Spammer sehr dankbar, mich angeschrieben zu haben, liefert er mir und meinen Leser noch ein sehr gutes Beispiel dafür, wie man sich im Netz nicht bewegt. Ich frage mich beim Verfassen von Mails immer, ob ich dem Gesprächspartner auch beim persönlichen Treffen so gegenüber treten würde. Meistens findet sich in diesem Moment die richtige Wortwahl von ganz alleine.

 

 

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