Breitband & Urbanisierung: Internet wie Flasche leer

Angestoßen durch den Artikel von Thomas Knüwer, der über die Zukunftsdefinition der Telekom in Bezug auf Breitbandgeschwindigkeit schrieb, habe ich Statista bemüht, um einen Überblick über das Thema Wettbewerbsfähigkeit deutscher Digitalunternehmen zu bekommen.

 

Bis 2020 soll der Mobile-Traffic jährlich um 53 Prozent wachsen. Im europäischen Vergleich wird deutlich, dass wir hierzulande vergleichsweise wenig Leistung (Volumen) für unser Geld bekommen. Für bis zu 30 Euro bekommt ein Nutzer in Deutschland aktuell maximal sechs Gigabyte Datenvolumen.

Infografik: Deutsche haben vergleichsweise wenig Volumen | Statista Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Werfen wir nun einen Blick auf die stationäre Breitband-Performance. Wenn die deutschen Mobilfunkprovider schon die Drosselklappe geschlossen halten, dann sollte die digitale Grundversorgung im stationären Breitbandanschluß sichergestellt sein. Ist sie aber nicht, wie wir wissen.

Infografik: Deutsches Web zu langsam für die Weltspitze | Statista Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Bringt man diese beiden Auswertungen zusammen, dann ergibt sich ein deutliches Urteil: stationär abgeschlagen von der Weltspitze, mobil ein Witz.

Zu schlechter Letzt ein weiteres Chart: Grad der Urbanisierung: Die Statistik zeigt den Grad der Urbanisierung in Deutschland in den Jahren von 2005 bis 2015. Die Urbanisierung bezeichnet den Anteil der Stadtbewohner an der Gesamtbevölkerung. Im Jahr 2015 lebten rund 75,3 Prozent der Gesamtbevölkerung Deutschlands in Städten. 1950 waren es übrigens 68% (Quelle).

Statistik: Urbanisierungsgrad: Anteil der Stadtbewohner an der Gesamtbevölkerung in Deutschland in den Jahren von 2005 bis 2015 | Statista
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Ich stelle folgende These auf:
Mangelnde Netzabdeckung – stationär oder durch fehlende mobile Infrastruktur – Beschleunigt die Verödung ländlicher Gemeinden und sorgt für eine Überhitzung der Ballungsgebiete.

Gemeinden und Kommunen stehen einer Überalterung der Bevölkerung gegenüber. Dies sorgt für eine erhebliche Schwächung der Wirtschaftskraft, was wiederum zu finanziellen Einbußen in den Haushalten führt. Das wiederum sorgt für weiteren Abbau von Infrastruktur. Ein Kreislauf. Ursache: die Abwanderung der jungen Generation in Ballungsräume. Mangelnde Breitbandanbindung und absurd überteuerte mobile Netzanbindung im ländlichen Raum verhindern Job- und Entwicklungsmöglichkeiten. Auch unter Betrachtung von neuen Arbeitsmodellen (Arbeit 4.0, wie es vom Bundeswirtschaftsministerium genannt wird) ist der Status Quo höchst problematisch. Könnten Arbeitnehmer remote arbeiten, verhindert schneckenlangsame Datenanbindung und mangelnde mobile Flatrates in ländlichen Regionen diese Möglichkeit. Solopreneure benötigen keine üppige Infrastruktur, sie brauchen schnelle Netzanbindung. Freelancer können örtlich ungebunden arbeiten, solange sie am Netz angebunden sind. Und in der Freizeit möchte niemand auf seinen 4K-NetFlix/Amazon-Account verzichten.

Ich mutmaße Folgendes: die ländlichen Kommunen samt dortiger Immobilienbesitzer und Unternehmer werden gewinnen, wenn seitens Regulierungsbehörden und Netzbetreibern sichergestellt wird, dass die Versorgung mit schnellem Internet (ab 50MBit/s) zu moderaten Kosten flächendeckend gewährleistet wird.

Kategorien Netzpolitik

Wählte sich 1995 zum ersten Mal mit einem Modem ins BTX ein. Ist seit zwanzig Jahren im Onlinehandel unterwegs. Lebt in Hamburg und entwickelt mit seiner Agentur Onlineshops und Markenkonzepte.

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