Chabos wissen… die CSU weiß es nicht

+++ 3. Februar: Update am Ende des Textes +++

Fabian K. Giersdorf ist Kommunalpolitiker aus Roth, der sich für die Belange seiner Kommune einsetzt, vor allem für Bürgerbeteiligung und solide Finanzen

So steht es auf seiner Facebook-Seite. Und Fabian K. Giersdorf geht mit seiner Kampagne derzeit steil durch die sozialen Medien.

Mit den Worten „Gerade haben wir mein erstes DinA1 Plakat aufgehangen – ich bin hocherfreut.“ postet er sein Wahlplakat, welches unter konzeptionellen Gesichtspunkten (hier geht es nicht um Politik) ein Brüller ist.

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„Chabos wissen, wer der Babo ist!“ lautet der Wahlsogan auf dem Plakat. Übernommen wurde dieser Spruch vom gleichlautenden Titel des deutschen Gangster-Rappers „HAFTBEFEHL„. Das Video können Sie sich hier ansehen: Youtube-Link…

Um die inhaltliche Absurdität zwischen CSU und Wahlslogan zu verdeutlichen, hier ein Auszug aus dem Song:

„Tokat, Kopf ab – Mortal Kombat
Vollkontakt a la Ong-Bak, Komm ran
Opfer, du bist Honda, ich Sagat
Nicht link von hinten, ich hau dich frontal, sakat
Dein Yokuzuna-Sumo ficke ich mit ’nem Pushkick“

Word!

Um vital Reichweite zu generieren verlost Giersdorf zwei handsignierte Plakate unter allen, die Fan seiner Facebook-Seite werden und das Foto „Liken“. Wirft man einen Blick auf die Facebook-Statistiken, zeigt seine Seite derzeit 569 Fans. 1.069 Personen das Foto „geliked“. 759 Kommentare zeigen jedoch Reaktionen, die wahrscheinlich nicht im Interesse einer populären Wahlkampagne für die CSU aussehen. Auszugweise hier einige bezeichnenden Meinungen:

„Unfassbar! Sprachgebrauch der underground-ghetto-asi-rapper goes CSU?? Will der uns verarschen??“

„Saudi-Arabia money rich… Die CSU dreht den Swack auf! Fauxpas…“

„..ich dachte ja sofort an Der Postillon, aber das scheint ernst gemeint zu sein… das untertrifft ja Dobrindt und Seehofer … und das heisst was… Gute Besserung für diese Hirngrippe….“

„bin selber in der ju. junge was haste dir dabei gedacht ?!“

„entweder ein super joke oder das ende einer jungen karriere“

„ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich keine Ahnung habe, was mir dieses Zitat sagen soll. HÄ?“

„die. Friedhofsverwaltung von Rott am Inn meldet soeben, dass an der früheren Ruhestätte von Franz Josef Strauss ein Loch bis Australien entdeckt wurde. Vom Sarg keine Spur…“

„Diebstahl von geistigem Eigentum?“

„There is no such thing as bad publicity…“

„Meine Stimme hast du, du Bastard“

Hier kann man sich die ganzen Kommentare durchlesen…

What the hack, Beraterstab?
Man kann nur mutmaßen, dass Giersdorf mit diesem Spruch eine junge Wählergruppe ansprechen wollte. Jedoch wirkt dieser Versuch im Gesamtkontext des Plakates absurd und vor allem eins: unglaubwürdig. Adrett gekleidet, die Frisur perfekt und das Lächeln perlweiß. Und dann ein Wahlmotto wie ein Gangster-Rapper? Hier hat der Beraterstab vollständig versagt, wie die Reaktionen im Netz zeigen.

Ich begrüße Mut. Werbung ist viel zu oft öde, langweilig und durchgewaschen – besonders Parteienwerbung ist maximal langweilig. Wenn „Babo“ schon für die jungen Wähler da sein möchte, dann hätte ich Giersdorf mehr Mut für ein ganz neues Konzept gewünscht. Die Betonung lege ich dabei auf „Konzept“.

Zudem brisant: Songtexte dürfen m.M. nicht einfach ohne Abklärung genutzt werden. Ob der Nutzung des Titels von HAFTBEFEHL zugestimmt wurde, ist nicht bekannt. Aber ich nehme an, dass sich Herr Giersdorf als Student der Rechtswissenschaften an der Universität Erlangen-Nürnberg hier gründlich abgesichert hat.
+++ Update: Nein, er hat offenbar keine Freigabe erhalten. HAFTBEFEHL äußert sich auf seiner Facebook-Seite und droht mit rechtlichen Schritten.

(angeregt durch Testspiel)

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