#Foodporn: wichtige Komponente im neuen Marketingmix der Gastronomie

Foodporn ist jugendfrei und beschreibt eine Fotografiebewegung im Netz, vor allem durch den mobilen Fotodienst Instagram (zu Facebook gehörend) ausgelöst. Menschen fotografien ihr Essen im Restaurant und teilen es auf Instagram, Twitter, Facebook, Foursquare o.a. Plattformen, gekennzeichnet mit dem Hashtag #foodporn.

Knapp 70.000.000 Fotos finden sich in diesem Moment unter dem Hashtag auf Instagram.

Im aktuellen Newsletter der AHGZ (Allgemeine Hotel- und Gastronomiezeitung) wurde ich auf den Beitrag „Gäste fühlen sich von Food Porn gestört“ aufmerksam. Und mein Puls ging steil nach oben:

Die Online-Tischreservierungsplattform Bookatable.com hat 400 Gäste befragt, wie sie zu dem Thema Essensfotografie im Restaurant stehen.

„Rund 54 Prozent halten das inflationäre Posten und Teilen von Food-Fotos für überflüssig. Nicht jeder müsse mitbekommen, was man gerade esse, so die Meinung der Befragten. Zudem ruiniere die Konzentration auf das Smartphone den eigentlichen Genuss des Essens. 28 Prozent der Gäste sind toleranter. Sie sind der Ansicht, dass besonders interessante Speisen durchaus ein Foto und den damit verbundenen Post Wert sind.“

(Quelle: AHGZ)

Eine Studie im Bereich der Gastronomie zu veröffentlichen, welche 400 Personen als Grundlage hat, ist m.E. irrelvant und gibt ein verzerrtes Meinungsbild ab. 400 Gäste – jede durchschnittliche Pommesbude hat mehr Gäste, mutmaße ich. Repräsentativ geht anders und ich hoffe, der professionelle Gastronom folgert nicht die falschen Schlüsse.

Rechnet man die Ergebnisse der „Studie“ in absolute Zahlen um, so halten 216 Befragte das Fotografieren von Essen für überflüssig (und fühlen sich nicht wie in der Überschrift der AHGZ suggeriert, gestört). 112 finden das total ok. Wie die restlichen 72 Personen zum Thema stehen, erfährt der Leser der Branchenzeitung leider nicht. Haben wir sie da wieder, die „German Angst“? Da fotografiert der Tischnachbar sein Essen und die anderen Gäste flippen aus?

Foodporn ist Marketing
Dabei ist „Foodporn“ beileibe kein Trend einer jungen, hippen Nutzergruppe, sondern zieht sich bereits durch eine breite Bevölkerungsschicht, wie mir von einzelnen Gastronomen (unrepräsentativ können wir nämlich auch!) berichtet wurde.

Foodporn auf Instagram: Reichweite und Reputation
Foodporn auf Instagram: Reichweite und Reputation

Sehen, Hören, Fühlen, Schmecken – ein Restaurantbesuch soll alle Sinne ansprechen. Das Fotografieren und verbreiten von visuellen Eindrücken aus einem Restaurant kann als Kompliment für das Küchenteam interpretiert werden, es kann auch motivierend für das Team sein, auf das Thema Essensdarbierung beim Servieren zu achten und die Qualität nachhaltig zu steigern.

Word-of-Mouth: Leute „reden“ drüber:
Der aus unserer Sicht wichtigste Aspekt bei der Auseinandersetzung mit Foodfotografie sind kostenloses Marketing und Reputation. Denn wer neben dem Foto seines Essens auch noch die zugehörige Location veröffentlicht, macht schlichtweg authentische Werbung für den gastronomischen Betrieb.

Check-In auf Facebook und die Freunde fangen an zu reden.
Check-In auf Facebook und die Freunde fangen an zu reden.

Haben sich schriftliche Restaurantbewertungen inzwischen weitgehend etabliert und sind von der Branche akzeptiert, sorgen die immer besseren Kameras an Smartphone dafür, dass Restaurantentscheidungen nun auch über die visuelle Komponente getroffen werden können. Gute Fotos, von Gästen gemacht, wirken vertrauenswürdiger und authentischer. Gastronomen sollten panikmachende Studien gefühlvoll am eigenen Publikum überprüfen.

Wenn Gäste in Restaurants ihr Essen fotografieren ist das im Normalfall ein Gewinn für den Gastronom. Nicht nur, dass sein Angebot offenbar fotogen ist, der Gast macht Werbung für das Geschäft. Somit ist Foodporn als mögliche Komponente im Marketingmix zu berücksichtigen. Warum sich Fachmagazine in ihren Veröffentlichungen auf vollkommen unrepräsentative Studien stürzen und ein verzerrtes Bild kommunizieren bleibt deren Geheimnis. Wenn sich Gäste vom Schnappschuß der anderen gestöhrt fühlen, wird jeder geschulte Gastronom die richtigen Worte finden.

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