Lokale Händler müssen anfangen, Online zu denken

Es ist der ewige Singsang der Händler, die durch den Onlinehandel ihre Fälle davon schwimmen sehen. Während die Onlineumsätze Jahr für Jahr stetig steigen, stagnieren, übt sich der lokale Handel in Stagnation. Meistens werden Kunden und Onlineakteure für diese Situation verantwortlich gemacht. Selten hört man, dass Händler die Ursachen bei sich selber suchen.

Die digitale Entwicklung sorgt für eine strukturelle Veränderung des Konsum- aber auch des Konsumentenverhaltens. Einerseits findet die Verlagerung des Konsums auf digitale Vertriebskanäle statt, aber ebenso verschieben sich die Kontaktpunkte zwischen Händler und Kunde. Was früher die gelben Seiten waren, ist heute das Internet. Noch bevor ein Kunde einen Laden betritt, möchte er wissen, was ihn erwartet. Und diesen neuen Dreh haben viele Einzelhändler noch nicht verstanden/wollen ihn nicht verstehen. Ein Blick auf das Google Consumer Barometer belegt diesen Wandel:

Im Bereich des „Lokalen Suchverhaltens“ wurden Personen befragt, wie sie ihren Besuch in lokalen Geschäften vorbereiten. Die Ergebnisse sprechen eine klare Sprache und senden eine deutliche Botschaft in den Handel auf der Fläche:

lokale_recherche

92% der Befragten greifen bei der Recherche mindestens auf digital verfügbare Informationen zu.

Schaut man sich die Werte weiter an, dann gaben 40% aller Befragten an, inzwischen ihr Smartphone für die Recherche zu nutzen. Jetzt könnte man erwarten, der potentielle Kunde sucht nur spontan nach Öffnungszeit und Lage des Geschäfts, so überrascht auch dieses Ergebnis: 70% gaben an, wenigstens einen Tag vor dem Besuch den Blick ins Internet geworfen zu haben, um – ja – Öffnungszeiten und Lage, aber auch Angebote und Preise zu recherchieren.

Dabei konzentriert sich die Suche nicht mehr nur auf die Webseite der Unternehmen, sofern sie bei lokalen Händlern überhaupt vorhanden ist. Gesucht wird im Netz, wo Informationen über Unternehmen grundsätzlich vermutet werden: Suchmaschinen (77%), Webseite des Unternehmens (47%), Geschäftsportale (28%), Karten & Wegweiser (18%), Online-Verzeichnisse (18%), Bewertungsplattformen (17%) und Preisvergleichsseiten (14%).

Es wird das ganze Register gezogen, was übrigens auch Onlinehändler über sich ergehen lassen müssen. Die Zahlen, zeigen recht deutlich, dass Kunden erwarten, auch lokale Händler online zu finden und diese in den Gesamtprozess der Recherche vor dem Kauf einzubeziehen. Händler, die Online nur unzureichend vertreten sind, erscheinen nicht auf dem Radar potentieller Kunden und fallen aus der Recherche. Sie überlassen ihre Kunden dem Wettbewerb, ganz gleich ob online oder offline.

Act local – think global – Der lokale Handel wird 2016 noch stärker Online denken müssen, um bei potentiellen Kunden nicht durch das Suchraster zu fallen. Denn immer mehr Kaufentscheidungen haben ihren Ursprung im Digitalen. Wer dort nicht vertreten ist, verschenkt Umsatz.

Als dringlichste Maßnahme lässt sich für lokale Händler daher festhalten, einen Onlinemarketing-Verantwortlichen im Unternehmen zu installieren. Diese Stabsstelle sollte zwischen Geschäftsführung und Marketing angesiedelt werden, um kanalspezifische Informationen in den Marketingmix beizusteuern. Die Anbindung an die Geschäftsführung erfolgt vor allem aus strategischen Gesichtspunkten, um dem Thema „Digital“ auch an oberster Stelle in Entscheidungsprozessen Gewicht zu verleihen.

Titelbild: Sylwia Bartyzel/unsplash

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