Markus Lanz lehrt Journalisten das Fürchten

Eine von einer Fernsehzuschauerin gestarteten Petition „Raus mit Markus Lanz aus meinem Rundfunkbeitrag!“ hält die deutsche Medien- und Fernsehkonsumlandschaft in Atmen, bzw. versetzt sie in schiere Aufregung. Bis heute haben 230.174 Menschen der Petition Ihre Stimme gegeben. Schon wieder ein Beispiel dafür, wie Social Media und das Internet Bürgerbeteiligung fördern kann – und wie panisch alte Medienvertreter darauf reagieren. Ein Konflikt zwischen Jung und Alt?

Danke dafür, Markus Lanz. Nicht für Ihre Performance, sondern die Diskussion die Sie losgetreten haben.

Stefan Niggemeier hat in seinem Artikel „So mögen sie Gulaschsuppe essen: Eine Kritik der Kritik an der Lanz-Petition“ in deutlicher Form dokumentiert, wie die klassischen Medien mit dieser für sie neuen und offenbar bedrohlichen Situation umgehen, dass Fernsehzuschauer selbstständig das Zepter in die Hand nehmen und Ihre Meinung artikulieren. Die Reaktionen der Gazetten klingen dann so:

„…Das Bashing überlassen wir den Unterzeichnern einer Online-Petition,…“

„…Jemandem einfach mal eine reinzuhauen, digital und anonym, das scheint ein ewiges Bedürfnis zu sein…“

„…Im Schutz der Anonymität rufen die Ankläger: Ans Kreuz mit ihm! Und kommen sich wohl mutig vor….“

„…Das Bedenkliche ist, so ein Klick ist gefährlich einfach. Man muss weder in ein Wahllokal gehen noch komplizierte Stimmzettel ausfüllen…“

Wie sie doch ihre Angst zum Ausdruck bringen, die Journalisten der klassischen Medienlandschaft. Angst davor, nicht mehr die Einzigen sein zu dürfen, öffentlich Meinungen zu äußern und zu bilden.

Keine 30 Minuten nach Ende des sonntäglichen Tatorts kann man auf einschlägigen Nachrichtenportalen bereits nachlesen, wie der jeweilige Redakteur (!) die Sendung beurteilt. Rein objektiv natürlich, selbstredend. Und jetzt kommt plötzlich eine Gebührenzahlerin, die sich dem Mittel einer Onlinepetition bedient, und das formuliert was wohl den „richtigen“ Medien vorbehalten zu sein scheint: Kritik.

Kritik an einem Format, welches von jedem deutschen Haushalt durch ein Gebührenmodell mitfinanziert wird. Petitionsplattformen erleichtern es, Gehör und Gleichgesinnte zu finden und seiner einzelnen Stimme dadurch mehr Gewicht zu geben. Es findet ein Rollentausch statt. Wo kommen wir denn da hin, wenn das öffentlich-rechtliche Fernsehen durch Gebührenzahler beeinflusst wird?

Natürlich gibt es auch 1,xx Millionen Menschen die Markus Lanz täglich sehen und ihn auch gut finden. Wer möchte ihnen verbieten, das auch weiterhin zu tun? Dies steht weder Journalisten noch anderen Menschen zu. Aber es gibt einen Bedarf, das zeigt die Causa Lanz, an der direkten Partizipation – und das nicht nur im TV. Sich Gehör verschaffen, Mitmachen, Beachtung finden, sich einbringen – nicht erst seit dem Erfolg von Facebook und Social Media ist bekannt, dass die Zeichen auf Partizipation stehen. Und obwohl ARD & ZDF alljährlich die gleichnamige  Onlinestudie herausgeben, scheint man dort nun doch etwas überrascht zu sein, dass sich hinter den Zahlen der Studie echte Menschen verbergen, die nun etwas sagen.

Der Journalismus erlebt an diesem Fall einmal mehr, wie sich seine Bedeutung für die junge Gesellschaft mehr und mehr reduziert. Aus der Angst vor Verlust einer Machtposition wird nun über den Zeichnern der Petition der Mülleimer ausgekippt, auf dass sie in ihre Höhlen verschwinden und weiterhin das gut finden, was durch Journalisten und Redaktionen vorgegeben wird.

 

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