Bei den Recap-Berichten über die OMR2023 fühlt man sich genötigt, wenigstens einmal kurz dokumentarisch die Hand zu heben, um zu sagen “hey, ich war auch dabei”. Na, da will ich doch nicht zurückstehen: “hey, ich war auch dabei”. Das erste Mal. Der Auslöser, mir ein paar Tage vor dem Mega-Event für sündhaft teures Geld ein Ticket zu kaufen, war die Anwesenheit eines sehr guten Geschäftspartners, den ich dank konsequenter Remote-Philosophie nie wirklich persönlich getroffen habe - aber fast täglich sehe und höre. Was längst überfällig war, fand zwischen 70.000 anderen Besuchern in Hamburg statt.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Niemand wird wirklich einen Bericht über die OMR schreiben können, der an das heranreicht, was dort passiert ist. Ich meine, bei über 1200 Speakern, zahlreichen Masterclasses, Ausstellern en masse und - wie gesagt - 70.000 Besuchern ist jeder Bericht nur ein Wimpernschlag im Festivalkontext.

Am ersten Tag, ich hatte mich nicht darauf vorbereitet, überrollte mich die Veranstaltung. Ich habe mich kaum zurechtgefunden und bin in die Expo geflüchtet. Die hat mir Halt gegeben. Ich hab geschaut, wer alles mindestens das Wort “KI/AI” in seinen Subclaims hat und hab ein paar bekannte Infrastrukturanbieter gefunden, mit denen wir zusammenarbeiten und vielleicht 1-2 interessante Neuheiten.

Am zweiten Tag habe ich es dann so gemacht, wie ich es meistens bei größeren Veranstaltungen mache: Ich setze mich vor eine Bühne und bleibe dort sitzen. Zumindest den halben Tag. Und so bot mir die Conference Stage ein sehr spannendes Zuhause: SAP, BOSS, Shepard Fairey aka OBEY, Luisa Neubauer und Benjamin von Stuckrad Barre haben geliefert. Abends gab es dann noch eine MasterClass von Bike24.

Zwei krasse Tage, 21.000 Schritte, nette Wiedersehen (Tim, Tobi, Eric), leckeres Essen (Ramen yummy).

Und da wir hier in einer Performacer-Society leben: Was hat es gebracht?

Ein alter Weggefährte hat mir einmal einen Rat gegeben:

Henning, wenn du zu einer Konferenz gehst, nimm eine einzige Sache mit, dann hat sich die Veranstaltung für dich gelohnt.

Ich nehme mindestens 3 Dinge mit (die aber in den Bereich NDA und Interna fallen) und damit haben sich die 400 Euro gelohnt.

Update:
Ich habe meine anfängliche Einschätzung der OMR noch etwas erweitert, denn in den Tagen nach meiner Veröffentlichung sind mir auf LinkedIn Recaps von Besuchern ins Auge gesprungen, die mich etwas stutzig gemacht haben: Die OMR spielt das Konzept “Marketing und Vermarktung” ziemlich hart und die Marketingprofis eskalieren.

Kritikpunkte die ich las und die bei mir Fragen aufwarfen:

🤯 “So voll, dass man die ganze Zeit anstehen musste”: Jeder wusste, dass es nicht weniger als 70.000 Menschen werden würden. Wenn dir also 70.000 Leute zu viel sind, dann gehst du nicht hin. Jeder weiß ungefähr, was 70.000 Menschen auf einer Konferenz bedeuten. Wenn Herbert Grönemeyer in der Veltinsarena singt, weiß ich auch, dass es voll und laut wird:

📣 “Sehr laut, man konnte sich kaum unterhalten”: Ja, so ist das im Marketing, so funktioniert das. Stichwort Aufmerksamkeitsökonomie: Wenn es voll ist, muss man sich was einfallen lassen, um aufzufallen. Marketing eben: laut und bunt.

🤘🏼 “Diese Rockstar-Attitüde strengt an”: OMR hat sich schon immer als Rockstar positioniert und spielt dieses Image konsequent. Googel mal den Archetyp “Rebel” oder frage deine Lieblings-KI danach. Und wer auf Rock geht, muss Alice Cooper (Robert Geiss) genauso ertragen wie Metallica (Shepard Fairey). Um fair zu sein: Niemand von uns wurde an den Sitz gefesselt und musste Boris Becker unter Zwang anschauen.

💰"Viel zu teuer, ein Burger für 17 Euro, die langen voll": Vielleicht irre ich mich, aber der eine oder andere “Rockstar” ist sicher nicht mit karitativen Absichten nach HH gereist. Klar, ein Burger für 17 Euro ist nicht gerade ein Schnäppchen, aber habt ihr schon mal eine Flasche Wasser im Duty Free gekauft? Und da saß einem auch keine Serena Williams gegenüber. Ein Kollege von mir kam mit 18 Euro für 2 Tage aus. Und es ging ihm sichtlich gut.

🪣 “Was machen Leute ohne Inhalt auf der Bühne? Einige Besucher fanden MontanaBlack oder Jeremy Fragrance irgendwie fehl am Platz. Gleichzeitig habe ich aber auch Leute gesehen, die vor den Hallen Schlange standen, in denen diese Leute auftraten. Und mal ehrlich: Was erwartet man bei 7.000 Besuchern von einer MontanaBlack? Show. Und jetzt mal Hand aufs Herz: Du brauchst doch nicht das Erweckungserlebnis einer OMR, um zu verstehen, wer dieser oder jener “Star” ist. Und aufstehen und gehen konnte man auch jederzeit. Aber ich erinnere mich auch an Tag 2, Mittagspause auf der Konferenz-Bühne. 2 Frauen kommen auf die Bühne und machen so etwas wie “Musik”. Und hunderte von Leuten stürmten vor die Bühne. Für jeden war etwas dabei.

💵 “Der Chef hat bezahlt: Guter Chef. Natürlich ist es legitim, seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dorthin zu schicken und die Party zu bezahlen. Das gehört heute auch zur Wertschätzung der Mitarbeiter. Wer will, soll fahren. Die Obst(körbe) kann sich jeder selbst bei Aldi oder REWE kaufen. Wer keinen Bock hat, soll zu Hause bleiben.

Legitime Kritikpunkte:
👋🏽 Network-Area fehlte definitiv
🪑 Irgendwas, wo man sich mal hinsetzen und kurz abschalten 👩🏼‍💻 kann.
🪫 Und für mich noch als absoluter Mangel: Steckdosen !!!

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