Obsidian + Nextcloud: Mein Wissen unter eigener Kontrolle

TL;DR: Ich zeige dir hier, wie ich Obsidian in Verbindung mit Nextcloud ausgerollt habe und ich nun eine 1 TB Cloud in einem deutschen Rechenzentrum via Nextcloud verwalte und Obsidian die Daten überall lesen und schreiben kann.

Wie alles begann

Vom 39. Chaos Communication Congress in Hamburg schwappte eine Idee heraus, die so simpel wie genial ist: der Digital Independence Day. An jedem ersten Sonntag im Monat ersetzt du einen Dienst eines nicht-europäischen Service. Sei es etwas Google, Microsoft, Meta, Apple u.s.w. durch eine unabhängige Alternative. Einen. Pro Monat. Mehr nicht.

Warum? Wem gehören deine Daten? Wer liest mit? Wer monetarisiert seine Bewertung mit deinen Informationen? Der Blick in jüngste Vergangenheit zeigt: wir sind auch im digitalen Razm extrem abhängig von US-amerikanischen Unternehmen. Erst heute hat die US-Regierung die Nutzung von Anthropics Fable 5 für nicht-Amerikaner verboten.

Was sich mit dem DiD einfach liest, ist in der Praxis schwer, wie ich nach ersten zaghaften Versuchen erkennen musste. Zu fest sitzen die Daten auf amerikanischen Servern. Die Idee, sich als Otto-Normal-Nutzer an einem Sonntag nach dem Frühstück von alten Diensten zu entledigen ist naiv. Es gibt einen weiteren massiven Kritikpunkt, den ich nicht oft genug unterstreichen kann:
Die Usability und die technische Einstiegshöhe ist bei diesen “Unabhängigkeitslösungen” deutlich höher, als bei den BigTech-Companies. Von wegen: Username, Passwort & fertig. Nee, nee, nee, mein Freund. Setz dich ne Nacht hin und lerne mal was über WebDAV und dann such dir deine Serverdaten raus. Ich schreibe also diesen Artikel, damit du dir das sparen kannst das direkt hinbekommst.

Auf der diesjährigen re:publica ging es ebenfalls massiv um Lösungen digitaler Autonomie. Schleswig-Holstein fährt eine Open-Source-Offensive. Auf dem deutsch-französischen Gipfel im November 2025 haben europäische Open-Source-Verbände eine Declaration of Digital Independence unterschrieben – die Kernaussage: Europa muss die Kontrolle über seine digitale Technik zurückgewinnen, vom Entwurf über den Betrieb bis zur Wartung. Parallel diskutierte die EU-Kommission Vorschläge, sensible Cloud-Aufträge der öffentlichen Hand für europäische Anbieter zu reservieren, und das EU-Parlament brachte einen „Open Source first"-Ansatz für die öffentliche Beschaffung ins Spiel.

Von hinten herum vorne durch die Brust

Auf der re:publica erzählte mir Jörg, wie er Obsidian einsetzt. Obsidian ist eine Notiz-App, die deine Notizen als ganz normale Markdown-Dateien in einem Ordner ablegt – dem „Vault". Genau das macht sie so souveränitätstauglich: Es gibt kein proprietäres Format, keinen Zwang zur Hersteller-Cloud. Deine Notizen sind einfach Textdateien. Du musst sie nur noch zwischen deinen Geräten synchron halten.

Obsidian & nextcloud. Endlich.

Da ich in den letzten Wochen gemerkt habe, dass ich mit meiner lokalen Dokumentation keine gute Lösung hatte, installierte ich Obsidian und probierte das aus. Es gefiel mir. So packte ich alle Infos, die ich zu unserer Wärmepumpe hatte, dort hinein. Alle Infos, Daten, Kennzeichen, Telefonnummern und Adressen an einer Stelle. Auf einmal hatte ich alles in einem Dokument, verschlagwortet, auffindbar und transparent für alle in der Familie.

Das Setup: Nextcloud und Dein Obsidian-Vault

Ich wollte Nextcloud nicht selbst auf einem Server administrieren – Updates, Backups, Security-Patches, nein danke. Deshalb läuft meine Instanz als Storage Share bei Hetzner, einem deutschen Anbieter. Das ist eine managed Nextcloud: Hetzner kümmert sich um Updates und Backups, ich um meine Daten. Der kleinste Tarif heißt Storage Share NX11 und bringt mit:

  • 💶 4,29 Euro im Monat
  • 💾 1 TB Speicher
  • 👥 mindestens 3 benannte Nutzer
  • 🇩🇪 Rechenzentrum Falkenstein, verschlüsselter HTTPS-Zugang, automatische Backups, gemanagte Updates

Für eine Textsammlung wie einen Obsidian-Vault ist 1 TB grotesk überdimensioniert. Aber die Nextcloud kann ja noch ein bisschen mehr als Notizen. Bei mir hat sie nebenbei gleich noch Dropbox und Google Drive komplett obsolet gemacht.

Bevor du startest, installierst du dir auf deinem Rechner und deinen mobilen Devices Obsidian. Auf meinem Rechner habe ich mir einen Vault angelegt, in dem ich arbeite. Mit der Installation von Nextcloud auf meinem Rechner, synchronisiert dieser Ordner automatisch in die Cloud. Das müsst du als Ausgangslage haben. Und dann geht es los:

Schritt 1: Nextcloud bei Hetzner und das App-Passwort

Zuerst brauchst du deine WebDAV-URL. Dazu loggst du dich bei deiner Nextcloud ein, klickst links oben auf den Datei-Tab. Links unten steht dann “Daetei-Einstellungen. Klicke drauf und es sollte sich dieses Fenster öffnen, in dem du unter WebDAV deine URL findest:

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WebDAV-URL in den Datei-Einstellungen der Nextcloud

Dann brauchst du für die Obsidian WebDAV-Erweiterung noch ein Passwort.
Logge dich wieder in deine Nextcloud ein. Hier könntest du jetzt einfach Benutzername und Passwort nehmen. Mach das nicht. Erzeug stattdessen ein App-Passwort: ein eigenes Passwort nur für diese eine App, das du jederzeit widerrufen kannst, ohne dein Hauptpasswort zu ändern.

So geht’s:

  1. Oben rechts auf dein Profilbild → Einstellungen
  2. In der linken Leiste unter „Persönlich” (nicht „Verwaltung"!) auf Sicherheit
  3. Ganz unten bei „Geräte & Sitzungen" einen Namen vergeben, z. B. Obsidian iPhone
  4. Neues App-Passwort erstellen → den langen String kopieren
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Individuelles App-Passwort

Mach das pro Gerät einzeln (iPhone, iPad, Mac). Dann kannst du später ein einzelnes Gerät sperren, ohne die anderen lahmzulegen. Stolperfalle am Rande: Lande hier nicht im Admin-Bereich unter „Sicherheit" mit OAuth 2.0 – das ist der falsche Ort. App-Passwörter wohnen ausschließlich in den persönlichen Einstellungen.

Schritt 2: Obsidian und das WebDAV-Sync-Plugin

Für die Synchronisation nutze ich das Community-Plugin WebDAV Sync. Es macht bidirektionalen Sync per WebDAV und funktioniert auf iPhone, iPad und Mac gleichermaßen.

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WebDAV-Erweiterung leicht eingestellt

In den Plugin-Einstellungen trägst du diese vier Dinge ein:

FeldWas rein muss
WebDAV server URLhttps://deinserver.your-storageshare.de/remote.php/dav/files/DEIN-BENUTZERNAME/
Accountdein Nextcloud-Benutzername (nicht die E-Mail!)
Credential → IDein frei wählbares Label, z. B. nextcloud – das ist nicht dein Login
Credential → Geheimnisdas App-Passwort aus Schritt 1
Remote directoryder Ordner mit deinem Vault, z. B. /obsidian/thebrain

Der gemeinste Stolperstein hier ist das Feld ID. Das ist nicht dein Benutzername, sondern nur ein Etikett für Obsidians internen Schlüsselbund – schreib da rein, was du willst, Hauptsache ohne Sonderzeichen wie Unterstrich. Das echte Passwort gehört ins Feld Geheimnis. Der Benutzername steht im Feld Account und muss exakt so auch im URL-Pfad hinter files/ stehen, Groß- und Kleinschreibung inklusive.

Wenn „Check connection" auf Grün springt: erster Meilenstein geschafft.

Schritt 3: Der gefährliche erste Sync

Jetzt der Teil, bei dem man Daten verlieren kann – und genau deshalb der wichtigste. Mein kompletter Vault lag schon auf der Nextcloud unter obsidian/thebrain. Auf dem iPhone legst du einen leeren lokalen Vault an, der beliebig heißen kann. Ein dummer bidirektionaler Sync könnte jetzt denken: „Lokal ist alles weg, also lösche ich das auch auf dem Server." Das wäre das Gegenteil von dem, was ich wollte.

Die gute Nachricht: WebDAV Sync macht einen 3-Wege-Vergleich – es schaut auf den lokalen Zustand, den Remote-Zustand und den gespeicherten letzten Sync-Zustand. Beim allerersten Lauf gibt es noch keinen gespeicherten Zustand, deshalb wertet das Plugin die Server-Dateien als „neu" und lädt sie herunter, statt sie zu löschen.

Trotzdem habe ich vorher ein Backup gemacht. Und du machst das auch!

  • Backup zuerst. Im Nextcloud-Browser den Vault-Ordner duplizieren oder als ZIP herunterladen. Dauert eine Minute, macht dich für den Rest entspannt.
  • Lokalen Vault leer lassen. Dann zieht der erste Sync sauber alles herunter, ohne etwas zu überschreiben.
  • Remote-Path exakt setzen. Auf den Ordner zeigen, in dem die .md-Dateien wirklich liegen.

Den Sync löst du übrigens nicht über irgendein verstecktes Zahnrad aus, sondern auf dem iPhone schlicht über das Menü rechts unten (die drei Balken) → Start Sync, Sicherheitswarnung bestätigen, laufen lassen.

Falls etwas hakt, sind es fast immer zwei Fehlercodes:

CodeBedeutungLösung
401Zugangsdaten falschApp-Passwort prüfen, Benutzername im Account-Feld kontrollieren
404Pfad/Ordner existiert nichtRemote directory korrigieren, Ordner ggf. im Browser anlegen

Nach dem ersten erfolgreichen Lauf habe ich gegengeprüft: Tauchen die Notizen lokal auf? ✅ Ist der Vault auf dem Server noch vollständig? ✅ Erst dann das Backup gelöscht und auf iPad und Mac dasselbe gemacht – jeweils mit eigenem App-Passwort, identischem Remote-Path. Wer will, aktiviert in den Plugin-Einstellungen noch Auto-Sync, dann gleicht sich alles beim Öffnen von selbst ab.

Was das mit Souveränität zu tun hat

Funktional ist der Unterschied zum bezahlten Obsidian-Sync klein. Meine Notizen synchronisieren sich, fertig. Aber der Unterschied liegt woanders: Meine Gedanken liegen jetzt auf einem Server in Falkenstein, unter deutschem und europäischem Recht, in einem offenen Dateiformat, das ich morgen auf jede beliebige andere Plattform mitnehmen könnte. Kein US-Konzern hängt mehr dazwischen, kein Abo, das sich jederzeit verteuern oder einstellen lässt.

Das ist die eigentliche Pointe des Digital Independence Day: Es geht nicht um den großen Bruch, sondern um den nächsten ersten Sonntag. Ein Dienst. Diesen Monat war es bei mir das Wichtigste überhaupt – der Ort, an dem ich denke. Nächsten Monat ist das nächste dran.

Welcher Dienst wäre bei dir der erste, den du heimholst? Schreib mir.