Im Herbst 2024 ist sie rausgeflogen: eine riesige, alte Rhododendronhecke, quer über den ganzen Vorgarten. Zwei Wochen Blüte im Frühjahr, danach grüne Wand. Die ganze Geschichte steht in Weg mit der Hecke und im ersten Update von 2025.
Der Plan war simpel: keine Monokultur mehr, sondern eine Fläche für heimische Insekten. Recherche über naturadb.de, heimische Stauden, Wildformen, Totholz. Und dann: machen lassen.
Nun wird es mal wieder Zeit, den Stand 2026 zu dokumentieren. Und ich kann dir sagen: da gibt´s einiges zu dokumentieren. Und zwar genau 1.142 Dinge. So viele Insekten leben an, auf, in den von uns, bzw. der Natur angesiedelten Pflanzen. Die Zahl liefert uns wie immer Naturadb.de
Vor zwei Jahren war diese Zahl, grob geschätzt, eine andere: ungefähr null.

Ohne einen Cent für Zierpflanzen
Das ist für mich der eigentliche Knaller an der Sache. Wir haben nichts dazugekauft. Keine teuren Zierstauden aus dem Gartencenter, keine gefüllten Sorten, die für Insekten ohnehin wertlos sind.
Was passiert ist: Die Fläche hat sich selbst eingerichtet. Heimische Pflanzen nehmen offenen Boden gern an, wenn man sie lässt. Klatschmohn, Wiesen-Flockenblume, Echtes Johanniskraut, Wilder Dost, Schafgarbe, Königskerze, you name it. Vieles kam von allein, manches haben wir mit ein paar Tütchen Saatgut angeschoben und von anderer Stelle aus dem Garten umgepflanzt.
Von 0 auf 1.152. Und der größte Hebel war nicht das Budget, sondern die Entscheidung, eine Fläche einfach machen zu lassen.
Die Zahlen 2026
Die Bilanz nach zwei Jahren, ausgelesen aus unserer NaturaDB-Liste. 54 verschiedene Pflanzen stehen inzwischen auf der Fläche, der Großteil heimisch, vier davon auf der Roten Liste gefährdeter Arten.
Von den 1.152 profitierenden Arten sind 76 Vögel. Der ganze große Rest, über tausend, sind Insekten. Und die teilen sich so auf:
| Insektengruppe | Arten | davon spezialisiert |
|---|---|---|
| Wildbienen | 274 | 89 |
| Schmetterlinge | 627 | – |
| Raupen | 517 | 142 |
| Schwebfliegen | 105 | – |
| Käfer | 70 | – |
„Spezialisiert" heißt: Diese Arten sind auf bestimmte Pflanzen angewiesen. Fällt die Pflanze weg, fällt das Insekt weg. 89 spezialisierte Wildbienenarten auf einer Vorgartenfläche sind kein schlechter Wert für ein paar Quadratmeter vor dem Haus.

Warum das so einfach ist
Lass uns ehrlich sein: Die großen Zahlen zum Insektensterben kennt man, und sie sind unangenehm. Die Krefelder Studie hat 2017 gezeigt, dass die Biomasse der Fluginsekten in deutschen Schutzgebieten über knapp drei Jahrzehnte um mehr als 75 Prozent geschrumpft ist. Die Studie wurde viel diskutiert, der Trend ist seither aber mehrfach bestätigt worden. Bei den Wildbienen steht in Deutschland über die Hälfte der Arten auf der Roten Liste.
Das klingt nach einem Problem, das man nur mit Naturschutzgebieten löst. Ist es aber nicht. Eine Rhododendronhecke ist für Insekten eine Wüste mit zwei Wochen Blüte. Eine heimische Wildstaudenfläche ist ein Supermarkt mit Ganztagsöffnung.
Der Aufwand dafür ist überschaubar:
- Heimisch statt Zierde. Heimische Pflanzen und ihre Insekten haben sich über Jahrtausende aufeinander eingestellt. Eine importierte Zierstaude kennt hier kaum jemand.
- Boden freilassen. Offene Stellen sind keine Lücke, sondern eine Einladung. Vieles sät sich selbst aus.
- Totholz liegen lassen. Ein Haufen Äste kostet nichts und ist Lebensraum für Käfer und Wildbienen.
- Nicht zu aufgeräumt. Stehenlassen über den Winter, nicht alles abschneiden. Faulheit ist hier eine Tugend.
Das Geld, das wir nicht in Zierstauden gesteckt haben, ist der beste Beleg: Biodivers wird ein Garten nicht durchs Kaufen, sondern durchs Lassen.

Fazit
Zwei Jahre, kaum Kosten, und eine Fläche, auf der heute über tausend Arten etwas zu suchen haben. Wenn du eine Hecke, einen Rasenstreifen oder ein langweiliges Beet vor dem Haus hast: Du brauchst keinen großen Plan und kein großes Budget. Du brauchst heimische Pflanzen und die Bereitschaft, mal nicht aufzuräumen.
Wir gucken weiter zu, was sich von allein einstellt. Welche Fläche bei dir könnte als Nächstes dran sein? Schreib mir.
