#WakeUpRosetta – die ESA landet einen Social-Media-Coup

Die Europäische Raumfahrtorganisation ESA zeigt dieser Tage, wie Social Media geht. Eigentlich dreht es sich nur um einen banalen, wenn auch entscheidenden technischen Vorgang, Millionen Kilometer von der Erde entfernt. Doch dank geschickter Inszenierung bebt gerade das soziale Internet unter dem Hashtag #WakeUpRosetta. Und die internationale Aufmerksamkeit ist auf Rosetta gerichtet.

Was ist passiert?
Am 2. März 2004 wurde die Raumsonde Rosetta auf ihren Weg zum Kometen 67P/Tschurjumow-Gerasimenko geschickt. Aufgrund der Entfernung zur Sonne wurde die Sonde vor 31 Monaten in Hibernation (= Ruhezustand) versetzt, um Strom zu sparen. Das Heikle daran: die Sonde flog in den letzten Jahren vollkommen ohne Funkkontakt zur Erde durch den Orbit. Jetzt hat die Sonde den Himmelskörper erreicht und soll wie geplant und gehofft aus dem Schlafmodus aufwachen, um in eine Umlaufbahn einzuschwenken und mit der Erforschung zu beginnen. Und dieses (hoffentlich erfolgreiche) Erwachen wird exakt am 20. Januar 2014 um 10:00 Uhr GMT (11:00 Uhr CET) sein.

Und damit nicht nur die Nerven der Damen und Herren der ESA zum Zerreißen gespannt sind, macht die Organisation daraus ein PR-Event. Die Social-Media-Plattformen Facebook, Twitter, Youtube glühen derzeit vor. Die ESA hat einen „Weckruf“-Wettbewerb entwickelt, die Sonde mit folgendem Video personifiziert und ihre Mission emotional aufgeladen:

Die Aufgabe, um am Wettbewerb mitzumachen lautet: Mache einen kurzen Videoclip und rufe „Wake up, Rosetta!“. Diese Videos können auf der eigens für diese Mission eingerichtete Facebook-Seite verlinkt werden. Die Videos können auf Youtube, Vine und Instagram liegen – auf Facebook laufen alle Teilnehmer zusammen.

Das gibt´s zu gewinnen:

  • jedes der Top-10-Videos wird via 20.000 Watt Transmitterleistung in den Orbit Richtung Rosetta gefeuert. Die Videos ist also nicht mehr im Internet, sie sind dann in der Galaxie!
  • alle Macher der Top-10-Video erhalten einen Goodie-Bag mit ESA-Souvenirs
  • zwei Platzierten werden in das ESOC, das Kontrollzentrum in Darmstadt, eingeladen um dort auf einem VIP-Event die erstmalige Landung einer Sonde auf einem Kometen zu feiern.

Abgestimmt wird auf Facebook durch die Nutzer & Teilnehmer selber.

Hier spielt gerade die Musik:

Fazit:
Genial!!! Laut Angaben der ESA hat diese PR-Kampagne einen kleinen 5stelligen Betrag gekostet, aber der hat sich wohl in Form von innovativem Image jenseits der Raumfahrt schon ausgezahlt. Einen rein technischen Prozess, der auch noch mit einem Risikofaktor behaftet ist (was, wenn Rosetta verschläft?) so zu inszenieren, dass wir mit so einer Sonde mitfiebern, ist großes Kino. Die Weltraumorganisation schafft es so, Menschen für ihre Arbeit zu begeistern. Wer hätte schon von Rosetta gewusst? Und als schnöde PR-Meldung wäre das nicht mal in der Tagesschau aufgetaucht. Ein gelungenes Beispiel für die intelligente Nutzung der Crowd und sozialer Kommunikationskanäle.

Update vom 20.01.2014:
Rosetta ist erwacht. Wohl weniger aufgrund der vielen Zurufe, sondern aufgrund gut gebauter Hard- und Software. Dennoch war es schon ein tolles Erlebnis, als auf dem „Twitter-Account von Rosetta“ diese Mitteilung erschien:

rosetta_hallo_welt

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