Was konservative Unternehmen von AirBnB, Uber und der Shareconomy lernen (können)

Ich untervermiete meine Wohnung nicht, ich teile mein Auto nicht mit anderen und Mitfahranbieter war ich auch noch nicht.
Aber ich wohne seit Neuestem gerne in Wohnungen fremder Menschen.

Das Thema Shareconomy bringt hierzulande das Hotel- und Taxigewerbe in arge Bedrängnis und auf die Straße: Demonstrationen, Klagen vor Gericht, Druck auf Politiker.

Und während ich in Barcelona in meiner über AirBnB angemieteten Wohnung zweier Spanier sitze, dem mir zur Pflege überlassen Kampffisch im Goldfischglas beim Rundendrehen zuschaue, denke ich so bei mir: wo ist der Kunde in der Diskussion um Disruption?

Gesellschaft und Wirtschaft befindet sich seit jeher in einem unaufhaltsamen Wandlungsprozess. Nach der Erfindung des Rades kam die industrielle und nun die digitale Revolution. Stets gab es auf Seiten der Wirtschaft Gewinner und Verlierer. Verloren haben meist jene Unternehmen, die die Zeichen der Zeit nicht erkannt haben – oder nicht erkennen wollten.

Um bei AirBnB zu bleiben, greife ich mir das Hotelgewerbe heraus. Als Unternehmer bin ich, wenn unterwegs, auf einen Ort angewiesen, an dem ich „ins Internet“ komme. Zu oft stand ich schon in Hotels und musste festgestellt, dass ich auf meinem Zimmer keinen Netzzugang habe („Sie können unser WLAN in der Lobby nutzen“) oder ich musste für einen Abend soviel Gebühren bezahlen, wie für meine Flatrate zuhause im ganzen Monat nicht. Ganz zu schweigen von den meist zu kleinen Kosmetiktischen im Hotelzimmer.
Wer den ganzen Tag unterwegs ist, möchte den Abend nicht unbedingt in der Lobby verbringen oder sich seine Knie stoßen, wenn er am Tisch sitzt.

Im letzten Jahr habe ich in Amsterdam eine Wohnung gemietet. Für 5 Tage. Preislich auf Hotel-Niveau. Dafür mit Küche, 100 MBit WLAN, NetFlix und einem gefüllten Kühlschrank. Auf einmal wurde hatte ich in einer fremden Stadt ein Umfeld, in dem ich kreativ, entspannt und zügig arbeiten, aber mich auch erholen konnte. Kein Zwang, keine Rezeption und die volle Selbstbestimmung.

Und nun finde ich mich in der gleichen Situation in Barcelona wieder.

AirBnB, aus Sicht eines „Hotelgastes“ betrachtet, liefert Mehrwerte. Diese sind zwar nicht standardisiert, dafür aber recht solide verifiziert. Hoteliers gehen auf die Straße, um gegen die Attraktivität des Wohnungstauschers zu rebellieren. Von einer Verbesserung des eigenen Services hört und liest man nichts. Nachdem das Taxi-Gewerbe den Dienst Uber per Gericht aus dem Revier vertrieben hatte, stiegen in einigen Orten die Beförderungsentgelte. Von Service-Verbesserung war weit und breit nichts zu vernehmen.

Nicht falsch verstehen: Wildwuchs, Preisverfall und Aushöhlen von Gesetzeslücken sind weder durch AirBnB oder Uber hinzunehmen. Wohnungsmangel infolge AirBnB-Wohnungen bedürfen der Regulierung. Aber es fehlt in der gesamten Diskussion der Disruption der Blick auf den Endverbraucher, der die ihm neu gebotenen Leistungen offenbar sehr dankbar annimmt. Alleine weil man bei AirBnB eine Wohnung anbieten kann, hat man noch keinen Gast.

Darum:
Die digital beeinflußte Veränderung sorgt für einen Wandel im Service- und Dienstleistungsbereich. Endverbraucher formulieren ihre Anforderungen und Wünsche neu. Unternehmen die ihren Blick lediglich auf Gesetzestexte oder in die Vergangenheit werfen, werden langfristig Probleme mit der Akzeptanz ihren Kunden bekommen. Auch wenn der Gang zur Politik oder vor Gericht erfolgreich ist, es ist ein kurzfristiger und zu kurz gedachter Erfolg. Denn am Ende wird immer der Kunde entscheiden. Besitzstandsbewahrer waren, sind und werden immer die Verlierer sein. Egal bei welcher Disruption.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

2 × 2 =