Der Sommer war schon auf dem Rückzug, als wir Deutschland hinter uns ließen. Die dänische Ostsee blieb freundlich: letzte Augustwoche, etwa 21 °C, milder Wind – perfektes Wetter für Hafenspaziergänge, Stadtbummel, Walderkundungen und mehr. Unser Basecamp: ein klitzekleines, freistehendes Haus aus der Mitte des 19. Jahrhunderts am Skævlundvej bei Horsens – viel Ruhe, viel Grün, keine Menschen.
Zwischen Horsens- und Vejle-Fjord breitet sich die Juelsminde-Halbinsel aus: leicht hügelige Moränenlandschaft, Felder mit Raps und Getreide, kleine Dörfer, dazwischen Buchenwälder und Strandstücke – genau diese Mischung aus Landwirtschaft und Küste, die Dänemark so entspannt wirken lässt. Ein gutes Gefühl für das Terrain bekommt man auf dem Küstenpfad Snaptun–Juelsminde: rund 22 km, vorbei an Gutshäusern, gelben Feldern und waldigen Anstiegen mit Meerblick. Nur kein Neid - diesen Pfad sind wir nicht gestampft.
Juelsminde: heute hyggelig – morgen noch schöner
Nur 15 Minuten mit dem Auto entfernt war Juelsminde mit seinem schnuckeligen Hafen. Nur ein paar Schritte weiter ist die Storstranden. Die breite Sandbucht trägt die Blaue Flagge (sauberes Wasser, Rettungsturm, gute Infrastruktur) und ist deshalb mit Kindern unkompliziert. Selbst an warmen Tagen bleibt die Stimmung angenehm unaufgeregt. Brot & Räucherfisch direkt am Hafen. Für die Frühstücksrunde: Seia Surdejsbageri (Sauerteig, süß & salzig). Wer’s herzhafter mag, geht nebenan zur Juelsminde.nu Fiskehandel mit eigenem Räucherofen – Fischfrikadellen, Räucherware, alles am Kai. Praktisch zum Mitnehmen für Strand oder Bank an der Mole.
In den kommenden Jahren bekommt Juelsminde einen spürbaren Hafen- und Stadtumbau: ein neuer Hafenplatz (Havnetorv), eine Strandpark-Zone an der Storstranden und bessere Wege zwischen City, Camping und Havn. Ziel: mehr Leben am Wasser, ohne die maritime Leichtigkeit zu verlieren. Für Reisende heißt das: Es bleibt charmant – und wird zugleich noch fußläufiger.
Keine 5 Minuten vom hafen entfernt, ist der Naturlegepark am Odelsbjerget. Besonders wenn ein Schauer durchgezogen ist, solltest du unbedingt dahin fahren, denn die heftige Hangrutsche ist dann sauschnell und nix für kleine Kinder. Ansonsten kannst du dich da stundenlang aufhalten: Tarzan-Parcours, Multicourt, Wald-Fitness und Bolzplatz, Halfpipes, Wippen, Rutschen und Eintritt frei.
Und während man sich in Juelsminde die Zeit vertreibt, kannst du dein E-Auto am SuperBrugsen (Rousthøjs Allé 53) für knapp 30 Cent/kWh laden (bis 75 kW, 2× CCS). Apropos SuperBrugsen - da drin gibt es wohl das leckerste Eis Dänemarks, oder?
Horsens: grüner Stadtkern & Lieblingscafé
Von Juelsminde sind es nur wenige Fahrminuten nach Horsens. Die Fußgängerzone rund um Jessensgade/Søndergade/Torvet wurde in den letzten Jahren begrünt und neu möbliert – breite Wege, viele Bäume, gute Aufenthaltsorte. Ideal für einen Foto-Bummel (Architektur, Details, ohne Menschen).
Café-Tipp: Spisekammeret (Thonbogade 19) – kleine, ehrliche Karte von Salat bis Fischplatte, dazu ein Delikatessenregal. Hyggelig, kinderkompatibel, zentral.
Boller Slot: Schildkröten, alte Eiche & Waldwege
Südöstlich der Stadt liegt Boller Slot mit Park und Themengärten. In der asiatisch inspirierten Gartenpartie schauen manchmal Schildkröten im Teich vorbei; drumherum blüht es – und über allem wacht die „Boller-Eiche“, ein Methusalem von ungefähr 1.000 Jahren. Das Schloss selbst ist nicht zugänglich, aber Park und Garten sind im Sommerhalbjahr offen – perfekt für Picknick, Ruhe und als Startpunkt für eine Rundtour durch den Buchenwald (Boller Nederskov) bis an den Fjord und zurück.
Wer etwas Strecke ergänzen möchte, hängt den Planetstien (Planet-Pfad) dran, der Boller und Horsens verbindet – ein schöner, kindertauglicher Lern- und Aussichtsbogen am Wasser. Folgt dafür einfach der gelben Wanderroute.
Was wir (noch) nicht geschafft haben: das Ferguson-Museum
Nur wenige Kilometer landeinwärts liegt eine Kuriosität für Groß & Klein: Danmarks Ferguson Museum – mit einer der größten Ferguson-Sammlungen weltweit. Über 250 Traktoren plus Geräte und andere Fahrzeuge füllen Hallen und Scheunen. Ein stimmungsvoller Stopp für Regentage oder für sonnige Land-Romantik – kommt auf die Liste fürs nächste Mal.
Aarhus (Tagesausflug): hoch hinaus & tropisch warm
Salling ROOFTOP & Skywalk. Mitten in der City geht’s aufs Dach: begrünte Terrassen, Café – und der gläserne Skywalk 27 Meter über dem Strøget. Kurz kribbelt’s im Bauch, dann öffnet sich der Blick über die Dächer.
Botanisk Have & Gewächshäuser. Danach runter ins Grüne: Botanischer Garten mit den Gewächshäusern – mehrere Klimazonen, Eintritt frei, Café. Gut, wenn der Wind dreht oder man Wärme mag.
Praktisch (aus unserer Erfahrung)
- Wetter & Laune: Ende August ~ 21 °C, einmal kurzer Schauer – Plan B Naturlegepark hat super funktioniert.
- Kinder: Vorschulalter, lauffest (≈ 10.000 Schritte/Tag) – Distanzen sind gut machbar.
- Infrastruktur: WCs sauber; Parken kostenlos oder fair bepreist; selbst in der Hochsaison ruhig.
- Mobilität: Auto & zu Fuß reichen; OK-Lader machen E-Mobilität in Juelsminde unkompliziert.
Fazit
Diese Ecke Ostjütlands entschleunigt, ohne zu langweilen: Hafenleben in Juelsminde, grüne Stadtmomente in Horsens, Natur & Geschichte an Boller Slot – und mit Aarhus eine inspirierende Großstadt in Tagesdistanz. Die Landschaft bleibt das verbindende Motiv: sanfte Hügel, Felder, Waldkanten, Strände. Und während Juelsminde seinen Hafen in den nächsten Jahren weiterentwickelt, behält der Ort genau das, was viele hierherzieht: maritime Leichtigkeit – plus die Extra-Portion Platz zum Atmen.