Am 28. März 2025 lief unsere neue Wärmepumpe zum ersten Mal. Kein großes Ereignis – ein Techniker drückte einen Knopf, der Kompressor startete, und damit war unsere Gasheizung Geschichte. Ein Jahr später haben wir alle Zahlen zusammen: die letzte Gasrechnung, die Daten aus der Wolf-App und ein paar DWD-Pressemitteilungen. Hier ist, was wirklich passiert ist.


Disclaimer vorweg

Uns ging es beim damaligen Austausch unserer Gasbrennwerttherme nie um Kosteneinsparung. Wir wollten weg vom Gas. Wir wollten die neue Technologie in unserem Haus haben.

Und dann die zweite Frage: Bei welcher Raumtemperatur arbeitet die Anlage eigentlich? Diese Fragen können meine ganzen Datenpunkte in Homeassistant gut beantworten: Du siehst hier den Temperaturverlauf unserer Wohnung. Wir heizen rein übers offene EG. Dort sind auch die Sensoren.

Raumtemperatur
Verlauf der Raumtemperatur

Das Ausgangsszenario

Unser Haus nördlich von Hamburg (Schleswig-Holstein) wurde bislang mit Erdgas beheizt. Uns interessiert natürlich brennend, wie sich die WP ggü. der Brennwert-Therme im Vergleichzeitraum geschlagen hat. Die Daten für die Wärmepumpe stammen aus der Wolf-App, die Stromverbrauch und erzeugte Wärmemenge getrennt ausweist.

Die Tabelle auf die du gewartet hast

⛽ Gas (28.3.2024-27.3.2025) ⚡ WP-Jahr (28.3.2025-27.03.2026) Differenz
Energiemenge (Wärme) ~12.380 kWh 11.419 kWh −961 kWh
Eingesetzter Energieträger 1.118 m³ Gas 3.771 kWh Strom
Kosten pro kWh Wärme 11,7 ct 9,9 ct −1,8 ct
Gesamtkosten 1.444 € 1.134 € −310 € (−21 %)
CO₂-Emissionen (ca.) ~1.850 kg ~1.150 kg* ~−700 kg
Jahresarbeitszahl (JAZ) - 3,03
„kostenlose" Umweltwärme - 7.648 kWh

*Auf Basis dt. Strommix 2024 (401 g CO₂/kWh). Bei Ökostrom unter 100 kg.

310 Euro weniger im ersten WP-Jahr – und das trotz eines der härtesten Winter in Schleswig-Holstein seit über einem Jahrzehnt.

Die JAZ von 3,03 bedeutet: Für jeden eingesetzten Kilowatt Strom wurden mehr als drei Kilowattstunden Wärme erzeugt. Zwei von drei kWh kommen dabei kostenfrei aus der Außenluft.

Und was macht der Heizstab?

Moderne Luft-Wärmepumpen verfügen über einen elektrischen Heizstab als Backup – ein direkter Widerstandserhitzer, der bei Extremkälte oder besonders hohem Warmwasserbedarf zuschaltet. Er arbeitet wie ein Wasserkocher: 1 kWh Strom ergibt genau 1 kWh Wärme, ohne den Multiplikator der Wärmepumpe.

Bei uns lief der Heizstab im gesamten Jahr exakt 5 Stunden:

  • 🛁 2× ausgiebiges Baden mit entsprechend hohem Warmwasserbedarf
  • 🪟 1x ein Fenster, das bei −12 °C zu lange offen blieb

Das war’s. Trotz wochenlanger Dauerfrostperioden und regionalen Extremwerten bis −18 °C hat die WP den Winter ohne nennenswerten Heizstab-Einsatz durchgehalten. Ein schönes Zeichen für eine gute Dimensionierung der Anlage.

Unsere Heizungkörper

Wir haben klassische Konvektoren, also keine FBH. Im EG heizen wir mit 3,5 Heizkörpern. Der 0,5 ist der Lütte vor dem Terrassenfenster. Ansonsten haben wir einen vom Typ 33 und zwei vom Typ 21. Die Heizkörper beheizen ca. 100 qm über 2 Geschosse. Im Dachboden steht noch ein massiver Typ 33. Der Dachboden wird aber deutlich kühler gehalten.

Vorlauftemperatur
Verlauf der Vorlauftemperatur

Du kannst in dem Verlauf die Spitzen nach unten sehen: das sind die Momente, wo die Anlage Warmwasser oder Abtaubetreib hatte. Man kann auch sehen, wie der Vorlauf bei den eisigen Temperaturen angehoben wurde, um die Raumtemperatur zu halten.


Der Wetterfaktor: Warum diese Zahl bemerkenswert ist

Die JAZ von 3,03 klingt solide, aber der Kontext macht sie erst wirklich eindrucksvoll. Das WP-Jahr lässt sich wettertechnisch in zwei sehr unterschiedliche Hälften teilen: Frühling bis Frühwinter verliefen durchweg milder als das langjährige Mittel – der Sommer 2025 erreichte in SH ein Mittel von 17,3 °C (+1,5 K), der Dezember 2025 war mit +5,3 °C sogar das mildeste Bundesland Deutschlands. Das Jahresmittel des WP-Jahres lag bei rund 9,9 °C, gut 1,8 K über dem Klimanormal.

Dann, zum Jahreswechsel 2025/2026 schlug der Frost gnadenlos zu:

  • 🌡️ Absolutes Minimum: −18,6 °C am 11. Januar in Hattstedt (Nordfriesland)
  • 🌡️ Bundesweites Februarminimum: −16,6 °C am 19. Februar in Dörnick (Kreis Plön)
  • ❄️ Rund 30 Schneedeckentage im Flächenmittel – kältester Winter seit 2012
  • 🌊 An der Ostsee kam es zu großflächiger Eisbildung

Der meteorologische Winter (Dez–Feb) erreichte in Schleswig-Holstein ein Mittel von 1,9 °C – gegenüber dem Klimareferenzwert von 0,9 °C zwar noch etwas milder, aber geprägt von wochenlangen Dauerfrostperioden mit Extremwerten bis −18 °C.

Zum Vergleich: das Gas-Jahr 2024/25

Das Vorjahr (Gas-Jahr) verlief wettertechnisch deutlich günstiger: Der Winter 2024/25 war in Schleswig-Holstein mild und niederschlagsarm, das Frühjahr 2025 sogar das sonnigste seit Beginn der Messaufzeichnungen. Das Jahrestemperaturmittel 2025 in SH lag bei 10,1 °C – gut 1,8 K über dem langjährigen Mittel. Die Gasheizung hatte es also einfacher als die Wärmepumpe es ein Jahr später haben sollte.

Fazit zum Wetter: Die WP hat ihre 310 € Ersparnis unter widrigen Bedingungen eingefahren. In einem normalen Winter (ohne Wochen bei −12 °C und tiefer) wäre eine JAZ von 3,3–3,5 realistisch gewesen – und die Ersparnis entsprechend größer.


Energieverbrauch

Wenn du dir den Energieverbrauch anschaust, siehst du, dass die Wärmepumpe trotz deutlich kälterem Winter und gleichbleibender Wohnraumtemperatur weniger Energie benötigte, als die Gastherme.

Warum die Gastherme mehr „verbraucht"

  • Abgasverluste: Ein Teil der Verbrennungswärme geht immer durch den Abgastrakt verloren – auch bei Brennwerttechnik nicht 100% vermeidbar.
  • Taktbetrieb: Die Therme schaltet ständig ein und aus. Jedes Mal heizt sie zuerst den Wärmetauscher auf, bevor Wärme ins Haus fließt – diese Energie verpufft beim Abkühlen.
  • Bereitschaftsverluste: Der heiße Kessel strahlt Wärme ab, auch wenn er gerade nicht heizt (oft in Keller oder Heizraum = nicht genutzt).
    Hohe Vorlauftemperatur: Gastherme fährt oft 65–75°C → mehr Leitungsverluste.

Bei der Wärmepumpe:

  • Kein Abgas, kein Kamin, keine Verbrennungsverluste
  • Läuft kontinuierlicher, weniger Taktverluste
  • Niedrige Vorlauftemperatur (~35–45°C) → geringere Rohrverluste

Die Gastherme musste mehr erzeugen, um diesen Bedarf trotz ihrer internen Verluste zu decken.


Einordnung: Ist JAZ 3,03 gut?

Referenzwert JAZ
BAFA-Mindestanforderung für Förderung 2,5
Typischer Wert moderner Luft-WP (mildes Jahr) 3,0 – 3,5
Unsere WP, Winter 2025/26 (Kältejahr) 3,03
Erreichbar bei mildem Winter 3,5 – 4,0

Die JAZ von 3,03 liegt genau auf der Untergrenze dessen, was für Norddeutschland bei einem Luft-Wärmepumpen-Jahr mit Dauerfrost realistisch ist. Unter normalen Bedingungen sollte sie sich einpendeln.


Was das bei anderem Strompreis bedeutet

Der Hebel der Wärmepumpe ist der Strompreis (Katharina Reiche, I am looking at you!). Unsere 310 € Ersparnis basieren auf 30,09 ct/kWh reinem Netzbezug. Wir haben allerdings eine Photovoltaikanlage – und auch wenn wir nicht genau erfasst haben, wieviel WP-Strom direkt vom Dach kam, lässt sich mit einer konservativen Schätzung von 20 % PV-Eigenverbrauch bereits ein deutliches Bild zeichnen.

Szenario: 20 % PV-Eigenverbrauch (konservativ)

Stromquelle Menge Preis Kosten
Netzstrom (80 %) 3.017 kWh 30,09 ct/kWh 907 €
PV-Eigenverbrauch (20 %) 754 kWh ~5 ct/kWh* ~38 €
Gesamt 3.771 kWh Ø ~25 ct/kWh ~945 €

*Marginale Kosten des Eigenverbrauchs (Anlagenverschleiß/Kapitalkosten anteilig). Alternativ als Opportunitätskosten der vermiedenen Einspeisung bei ca. 8 ct/kWh.

Mit 20 % PV-Anteil: ~945 € Heizkosten → Ersparnis gegenüber Gas: ~499 €

Vergleich Gas vs Wärmepumpe

Fazit

~700 kg weniger CO₂, eine JAZ von 3,03, ein Heizstab der 5 Stunden lief – und das in einem Winter, in dem es wochenlang unter −12 °C war und Teile der Ostsee zufroren. Wer auf Wärmepumpe umsteigen möchte und Angst vor dem „Was-wenn-es-richtig-kalt-wird"-Szenario hat: Das Worst-Case-Szenario haben wir gerade hinter uns, und unser Zuhause war konsequent warm um 21,5-22 Grad.