Das war sie also: die erste wirklich eiskalte Bewährungsprobe seit der Inbetriebnahme unserer Wärmepumpe.

Mit Tief “Elli” kam nicht nur ein Schneesturm, sondern auch Schulsausfall bei uns in S-H und Temperaturen bis minus 12 Grad. Und genau da fängt bei vielen das Kopfkino an: Reicht die Leistung wirklich? Bleibt das Haus warm? Läuft die Anlage dann einfach durch – und was macht das mit dem Stromverbrauch?

Für uns war das perfektes Wetter, um nicht länger zu spekulieren, sondern es auch endlich selbst zu erleben. Kein Prospekt, keine “unter Idealbedingungen”-Kurve, kein Marketing-Blabla – sondern echter Alltag im echten Winter, mit Frost, Wind und allem, was dazugehört. In diesem Beitrag berichte ich dir aus erster Hand, wie sich unsere Wärmepumpe in dieser Extremlage geschlagen hat: Was sie getan hat (und was nicht), wie sich das Heizgefühl im Haus verändert hat, welche Eigenheiten in der Kälte plötzlich sichtbar wurden.

Wenn du gerade überlegst, ob eine Wärmepumpe bei dir sinnvoll ist – oder wenn dich genau dieser Punkt “funktioniert das auch bei richtigem Winter?” noch unsicher macht: Dann lies weiter. Genau dafür ist dieser Erfahrungsbericht, den ich unter den üblichen Fragen zu Wärmepumpen aufgehangen habe. Ich hangle mich in dem Beitrag an den Fragen entlang, die mir gestellt wurden bzw. denen ich bei Diskussionen im Netz immer wieder begegenet bin.

Alle Daten im Blick

Ich habe das Datenmodul unserer Wärmepumpe (Wolf liefert das Internet Service Modul im Standard mit und macht diese damit netzfähig) via ISM7MQTT direkt in mein Home Assistant gehängt. Seitdem liefert mir Heizung Live-Telemetrie. Alle relevanten Werte landen automatisch auf meinen Dashboards: Temperaturen, Leistungswerte, Betriebsarten, Taktung, Abtauphasen – der komplette Maschinenraum der Anlage, lesbar und dauerhaft nachvollziehbar. Du findest einige Graphen in diesem Beitrag.

Das ist für mich der eigentliche Gamechanger: maximale Transparenz im Betrieb. Ich sehe nicht nur, dass es warm wird, sondern wie die Wärmepumpe dahin kommt – im 60-Sekunden-Takt. Jedes Grad Vorlauf/Rücklauf, jede kleine Regelbewegung, jeder Moduswechsel. Und damit auch ganz konkret: wie viel Energie gerade rein geht, was als Heizleistung rauskommt, und wie sich das Verhalten verändert, sobald draußen der Winter ernst macht. In Kombinarion mit meinen anderen Sensoren im Haus ergibt sich daraus ein Daten-Tableau, welches jedem Skeptiker die Luft aus den Segeln nehmen wird.

Home, sweet Home

Wir haben ein 1975er BJ, keine FBH, Fenster und Dach sind isoliert, die Außenwand wurde zwischen 2 und 10 cm ausgeblasen. Mehr Optionen der energetischen Sanierung geht nicht. Wir heizen quasi vom EG direkt das ganze Haus auf ca. 120 qm, da das EG komplett offen ist. Wir haben einen Vorlauf von 35 Grad (Sommer) und 42 Grad (Winter) eingestellt. Warmwasser liegt bei 50 Grad, unser Pufferspeicher liegt bei kleinen 200 Liter. Im Kern geben bei uns im EG vier Heizkörper die Wärme ab. Diese vergleichsweise geringe Oberfläche erklärt das geringe Delta aus Vorlauf und Rücklauf. Du findest diese Daten weiter unten.

Wie viel Strom verbraucht eine Wärmepumpe im Winter?

Die kurze, saubere Antwort lautet: Es kommt auf die benötigte Wärmemenge an – und die hängt im Winter direkt an Außentemperatur, Wind, Gebäudedämmung, Heizflächen und deiner Vorlauftemperatur. Der Stromverbrauch ist dann im Kern:

Unsere Werte aus dem echten Kältetag:

  • Kältester Tag (-12 °C): COP ≈ 2,0
    Bedeutet: Aus 1 kWh Strom werden 2 kWh Wärme.
  • Tagesverbrauch Strom: 45 kWh
  • Wärmebedarf Haus: ca. 90 kWh Wärme

Das ist der Punkt, an dem viele skeptisch werden – weil 45 kWh erst mal nach viel klingt. Aber im Kontext ist es simpel: An so einem Tag braucht das Gebäude sehr viel Energie. Entscheidend ist, wie effizient die Wärmepumpe diese Energie bereitstellt.

Und was passiert, sobald der Winter nur ein kleines bisschen nachlässt:

  • Als der Schnee wieder taute, sprang der COP direkt auf 3,1.
  • Über den aktuellen Zeitraum gemittelt liegen wir bei rund 3,6.
    Heißt: Aus 1 kWh Strom macht die Anlage im Schnitt 3,6 kWh Wärme.

Das ist der praktische Take-away:
Im tiefen Frost steigt der Stromverbrauch – weil der Wärmebedarf steigt und der COP sinkt. Aber selbst dann arbeitest du nicht mit reiner Stromheizung, sondern immer noch mit einem klaren Effizienzvorteil. Und sobald die Bedingungen wieder weniger extrem sind, geht die Effizienz spürbar nach oben. Wenn man “funktioniert das auch im Winter?” ehrlich beantworten will, sind genau solche Tage der Realitätscheck: COP 2 bei -12 Grad ist nicht schön gerechnet, sondern messbar – und sobald es wieder milder wird, klettert die Effizienz direkt zurück Richtung 3 und darüber.

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Tagesverbräuche in der kritischen Zeit

Wie funktioniert die Wärmepumpe bei Minusgraden?

Ich fand die Antwort auf diese Frage in dem Posting eines Nutzers:

Hier siehst du wie sie funktioniert. Das Außengerät saugt Außenluft an (-12,5 Grad), das Innengeräte komprimiert mittels eines Kompressors diese Luft und verbraucht dabei elektrische Energie (die 1 kwh) durch die Kompression wird die Luft warm (physikalisches Gesetz), diese Wärme wird benutzt um Wasser zu erwärmen, danach wird die Luft wieder entkomprimiert und sinkt auf -17 Grad, weil Wärme entzogen wurde. Und die Differenz von -12,5 zu -17 Grad entspricht genau die 2,5 kwh an Wärmeenergie.

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Statistik des kältesten Tags

Kann man eine Wärmepumpe im Winter benutzen?

Ja – und zwar ganz normal. Eine Wärmepumpe ist genau dafür gebaut, auch bei Frost zuverlässig zu heizen und Warmwasser zu liefern. Der entscheidende Punkt ist: Ist die Anlage korrekt ausgelegt und sauber eingestellt (Heizkurve, Volumenstrom, Hydraulik, Warmwasser-Setup) – dann arbeitet sie auch bei echten Minusgraden stabil.

Unsere Werte aus dem echten Kältetag:

  • Außentemperatur: bis -12 °C
  • Heizen: 42 °C Vorlauf – und das fühlte sich im Haus warm an
  • Warmwasser: 50 °C – Duschen und Baden ohne Einschränkungen.

Und der Klassiker, über den viele diskutieren: der Heizstab.
Bei uns ist der genau ein einziges Mal angesprungen – für ein paar Minuten, und zwar nicht, weil die Wärmepumpe “im Winter nicht konnte”, sondern wegen eines ganz banalen Bedienfehlers: Ich hatte nach dem Lüften ein Fenster vergessen. Die Heizung, direkt unter dem Fenster, sorgte dafür, dass kurz zugeheizt werden musste. Das war´s dann auch. Das ist im Grunde das, was ein Heizstab sein soll: Backup für Ausnahmen, nicht Dauerlösung.

Unterm Strich: Ja, du kannst eine Wärmepumpe im Winter benutzen – und sie kann dabei komfortabel liefern. Wenn du bei -12 °C 42 °C Vorlauf und 50 °C Warmwasser abrufen kannst und der Heizstab praktisch nicht relevant wird, dann ist das ein ziemlich klarer Realitätscheck gegen das typische “Wärmepumpen taugen nur bis +5 °C”-Gerücht.

Hier zeige ich dir mal unseren Verlauf der Raumtemperaturen. Ich habe in jedem Raum ein über Zigbee in Home Assistant eingebundenes Thermometer. Kannst du den kältesten Tag erkennen?

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Alle Temperatursensoren

Wie oft schaltet sich eine Wärmepumpe im Winter ein?

Das hängt stark davon ab, welche Art von Wärmepumpe du hast und wie sie geregelt ist. Bei modernen Anlagen mit Inverter (drehzahlgeregelt) läuft sie durch – und das ist in vielen Fällen sogar gewollt.

Bei uns ist es genau so:

Sobald die Temperaturen unter den Gefrierpunkt fallen, läuft die Anlage im Heizbetrieb praktisch permanent. Wichtig dabei: permanent heißt nicht Vollgas. Unsere Wärmepumpe kann ihre Verdichterdrehzahl anpassen. Sie fährt also nicht ständig an/aus, sondern moduliert:

  • Normalbetrieb: meist 40–50 % Drehzahl, um die benötigte Heizleistung sauber nachzuführen.
  • Kurzzeitige Peaks: Richtung 100 % geht es im Wesentlichen bei Abtauzyklen (und in seltenen Sondersituationen, wenn plötzlich sehr viel Leistung gebraucht wird).

Warum ist das relevant? Weil häufiges Ein-/Ausschalten (Takten) bei vielen Heizsystemen der Effizienz- und Komfortkiller ist. Eine modulierende Wärmepumpe versucht genau das zu vermeiden: Sie hält die Temperatur stabil, arbeitet ruhiger, und sie muss nicht ständig jedes Mal neu hochziehen.

Kurz gesagt: Im Winter läuft sie oft durch – aber die meiste Zeit im Teillastbereich. Das ist kein Warnsignal, sondern bei einer drehzahlgeregelten Anlage eher ein Zeichen dafür, dass sie sauber arbeiten kann.

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Drehzahl im Winter: Always on

Wie oft taut die Wärmepumpe im Winter ab?

Hier siehst du mal ganz konkret, wie oft die Wärmepumpe bei diesen extremen Temperaturen in den Abtaubetrieb musste. Die grauen Balken markieren genau diese Phasen.

Technisch passiert dabei Folgendes: Bei Frost und hoher Luftfeuchte kann der Verdampfer außen vereisen. Die Anlage dreht dann für kurze Zeit den Prozess um, taut den Wärmetauscher ab und stellt danach wieder auf Heizbetrieb zurück. Abtauen kostet Energie und drückt in dieser Zeit die effektive Heizleistung, weil kurzfristig nicht fürs Haus, sondern für die Anlage gearbeitet wird.

Damit das nicht nur Bauchgefühl bleibt, habe ich mir in Home Assistant einen Helfer gebaut, der den zukünftig Stromverbrauch genau während dieser Abtauphasen mitschreibt.

Verlauf der Abtauzyklen
Verlauf der Abtauzyklen

Ich habe meine Erfahrungen vorab auf auf Threads und Mastodon geteilt. Da waren wirklich sehr schöne, positive und auch technisch versierte Kommentare dabei. Die Reichweite hatte es in sich.

Statistiken bei Threads