Mich hat´s heute bei einem Kurzbesuch in Berlin in das Contemporary Museum of Photography, Art and Culture “Fotografiska” verschlagen. Dort stellten fünf Künstler:innen aus und zwei der Ausstellungen gingen mir heftig unter die Haut. James Nachtweys “Memoria” und Shepard Faireys “Photo Synthesis” zeigen, wie Kunst und Fotografie nicht nur dokumentieren, sondern aufrütteln. Als Obey-Fan wusste ich natürlich, was mich bei Fairey erwartet, wegen ihm war ich auch extra in die Friedrichstraße ins Museum gekommen. Nachtwey kannte ich nicht, was sich prompt als schwerer Fehler herausstellen sollte.

Foto von Nachtwey

“Memoria” von James Nachtwey

Das war anfangs schön still. Klar, ich bin einfach mal von der falschen Seite in die Ausstellung reingegangen. Dort lief diese Dokumentation von ihm, die u.a. auch seine Arbeiten in den Schwefelmienen von Kawah Ijen dokumentieren. Ich war vor 15 Jahren selber in dieser Miene und fühlte mich an mein Abenteuer erinnert. Im nächsten Raum erwischte mich dann aber scheinbar das, was Nachtwey international berühmt gemacht hat: der blanke Horror menschlicher Gewalt und Katastrophen. Leichen, Hunger, Not, Elend, Verzweiflung, Verletzung. Die Ästhetik der Fotos von durchweg furchtbaren Momenten, traf hart. So hart, dass einige Besucher weinend aus der Ausstellung gingen.

Foto der Ausstellung von Nachtwey

Foto der Ausstellung von Nachtwey

Jeder sollte diese Ausstellung besuchen, um ethisch und moralisch wieder genordet zu werden.

Über den Künstler: James Nachtwey

James Nachtwey gilt als einer der bedeutendsten Kriegs- und Dokumentarfotografen unserer Zeit. Seit den 1980er-Jahren hält er mit seiner Kamera Kriege, Krisen und menschliches Leid fest – von den Schlachten im Irak über die Folgen des 11. September bis zu den Flüchtlingsdramen in Europa. Seine Bilder sind unbestechlich, emotional und oft schmerzhaft ehrlich.
Nachtwey arbeitet für TIME, National Geographic und andere renommierte Medien und wurde mehrfach ausgezeichnet, darunter mit dem TED Prize und dem World Press Photo Award. Sein Ansatz ist geprägt von Empathie und Respekt für die Menschen vor der Linse. Er zeigt nicht nur die Grausamkeit der Welt, sondern auch die Widerstandsfähigkeit und Würde der Betroffenen. Seine Fotografie ist politisch relevant, weil sie Unsichtbares sichtbar macht – und zum Handeln auffordert.

Collage von Shepar Fairey

“Photo Synthesis” von Shepard Fairey

War laut, farbig und voller politischer Energie – genau das, was ich an Shepard Fairey´s Arbeiten so liebe. Jedes Motiv ein optisches Highlight. Ich könnte mir die Wohnung damit tapezieren. Die Ausstellung dreht sich um Erinnerung, Manipulation und die Macht der Symbole. Seine Siebdrucke, Collagen und Wandbilder wirken wie eine Mischung aus Plakatkunst, Aktivismus und urbaner Rebellion. Besonders eindrucksvoll sind seine Arbeiten, die historische Ikonen mit heutigen Protestbewegungen verbinden. Am beeindruckendsten für mich: zum ersten Mal zu sehen, wie vielschichtig die Collagen sind. Die Untergründe, Scratches, Farben, Stencils, Wischtechniken … die am Ende jene legendären Bilder ergeben, die um die Welt gingen. Audio-Guide der Ausstellung

Collage von Shepard Fairey

Collage von Shepard Fairey

Collage von Shepard Fairey

Collage von Shepard Fairey

Collage von Shepard Fairey

Collage von Shepard Fairey

Collage von Shepard Fairey

Collage von Shepard Fairey
Obama ins Auge geschaut

Über den Künstler: Shepard Fairey

Shepard Fairey, bekannt als Obey Giant und Schöpfer des ikonischen “Hope”-Posters für Barack Obamas Präsidentschaftskampagne 2008, ist einer der einflussreichsten Street-Art-Künstler der Gegenwart. Seine Werke verbinden Grafikdesign, Aktivismus und Popkultur zu einer kraftvollen visuellen Sprache. Faireys Stil ist geprägt von plakativen Farben, klaren Botschaften und politischer Schärfe – oft inspiriert von Punk, Skateboardkultur und sozialer Ungerechtigkeit.
Mit Projekten wie “We the People” oder seiner Kritik an Klimawandel, Rassismus und Krieg nutzt er Kunst als Werkzeug für gesellschaftlichen Wandel. Seine Stencil- und Plakatkunst ist weltweit auf Straßen, in Galerien und Museen präsent. Fairey zeigt, wie Street Art und politischer Aktivismus Hand in Hand gehen können – und bleibt dabei stets nah an der urbanen Jugendkultur.

Fotografiska Berlin

Das ist das vierte Museum der Fotografiska-Gruppe und folgt den Standorten Stockholm, Tallinn und New York.

Buntes Gebäude

Kunst

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