Public Viewing VI: Deutschland vs. Spanien
Dreck!
Dreck!
Noch keine Stunde ist es her. Die Stimme röchelt noch immer. Der Schweiß klebt das Deuschlandshirt am Körper fest. Noch können wir es nicht fassen. Deutschland besiegt den als Titelaspiranten gehandelten Favoriten Argentinien mit einer unglaublichen Teamleistung 4:0. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, ist nicht nur auf dem Rasen von großer Bedeutung. Auch unsere Wahl der Public Viewing-Location scheint eine taktische Glanzleistung gewesen zu sein. Durch den Tipp des Restaurantbesitzers unseres Lieblingsinders fanden wir uns bei der “KUL View”, Kuala Lumpur´s Public Viewing-Arena, auf dem Dataran Merdeka ein....
Mit Hochspannung erwarteten wir das hochkarätige Spiel der deutschen Nationalmannschaft im Achtelfinale gegen England. Eigentlich sollten wir jetzt schon in Kalkutta leben aber dank der äußerst unbefriedigenden Bearbeitungsgeschwindigkeit unserer Visas, hat uns die indische Botschaft in Kuala Lumpur festgesetzt. Nun gibt es wahrlich Schlimmeres, als in vertrauter und gemochter Umgebung auf die Weiterreise zu warten und das denkwürdige Spiel bei seinem Lieblingsinder zu verbringen. Somit fanden wir uns 21:30 Uhr Ortszeit auf Masalla-Dosa und Ice Lemon im Restaurant “Kaveri” ein, wo wir - wieder einmal - die Einzigen Ausländer waren....
Eigentlich war geplant, das Spiel zu später Stunde (halb drei Uhr nachts) gepflegt im Hotelzimmer bei einer Dose Cola anzuschauen. Leider meinte es die Hotelleitung mit ihrer Werbeaussage, alle Spiele zu zeigen, nicht so genau. Als wir genau 2:25 Uhr raus bekamen, dass das Deutschlandspiel nicht gezeigt wird, gab es nicht viel Zeit, zu überlegen: raus vor die Tür. Mitten in Kuala Lumpur´s Stadtteil Brickfields, einer Mischung aus Little India und Chinatown, fanden wir eine nicht zu verachtende Public-Viewing-Location: jemand beamte das Spiel direkt an eine Hauswand....
Unsere 60tägige Aufenthaltserlaubnis ist erloschen und wir müssen das Land verlassen. Noch nie hatten wir den Eindruck, so wenig von einem Reiseziel gesehen zu haben, so riesig ist Indonesien – von den Abmessungen und der Anzahl an Highlights. Von Anfang an war klar, dass wir ganz gezielt zu einigen auserwählten Orten fahren/fliegen, um nicht im Transportchaos des Landes wertvolle Zeit zu verlieren. Tatsächlich ist der Transport einer der Highlights des Landes, denn noch nie haben wir soviel Inlandsflüge gehabt, wie hier....
Schon kurz nach unserer Ankunft auf Gili Meno, der kleinen Schwester-Insel von Gili Air, wusste jeder Einheimische, für welches Land unser Herz schlägt. Was so ein Insellauf im Trikot der Deutschen Nationalmannschaft ausmacht! Entsprechend waren die Augen der Indonesier auf uns und Jogi´s Mannschaft gerichtet. Das Public Viewing konzentriert sich auf Meno auf einen großen, westlich ausgerichteten Bar-Shop-Tauschschulenkomplex, wo sich die Touristen versammelten. Grund genug für uns, das Spiel dort nicht so sehen....
Anlässlich des ersten Spiel der Deutschen Fußballnationalmannschaft starten wir hiermit unsere hoffentlich 7teilige Serie „Public Viewing“. Wo haben wir die Daumen gedrückt, uns die Haare gerauft, gejubelt, geschimpft und alles besser gewusst? 2:00 Uhr nachts klingelte der Wecker und riss uns aus dem Tiefschlaf. Noch bis kurz vor zwölf haben wir Ghana die Daumen gedrückt, uns dann aber eine Runde auf´s Ohr gehauen, um mitten in der Nacht unseren Jungs beizustehen....
Fünf Monate der Reise durch Asien liegen hinter uns und so langsam hat sich aus dem Hinterhalt das Gefühl angeschlichen, auch mal Urlaub zu machen. Während sonst der innere Unruhequell in uns brodelte und uns zu immer neuen Zielen trieb, hat uns jetzt die Faulheit gepackt und wir sind auf Urlaub. Als adäquates Urlaubsziel haben wir die Gili-Inseln im Norden Lomboks, der Nachbarinsel von Bali, auserkoren. Jedoch sitzen wir jetzt schon knapp eine Woche in Mataram, der Hauptstadt Lombok fest....
In den letzten Wochen, als wir uns abseits des Touristenstroms in Indonesien aufhielten, kamen wir mit vielen Reisenden ins Gespräch, die lange unterwegs sind und viele Länder erlebt haben. Wir waren überrascht über die Vielfältigkeit ihrer Reisrouten und die Einheitlichkeit in ihrer Aussage, bloß nicht nach Bali zu fahren. Alle verließen die Insel deutlich schneller, als sie ursprünglich geplant hatten. Nicht dass wir vor hatten, länger zu bleiben, aber ein paar Tage Bali wollten wir auf der Reise von Osten nach Westen doch einlegen....
Als uns gegen 3:30 Uhr der Wecker aus dem Schlaf riss, war wenige Kilometer von uns entfernt, bereits eine Gruppe Männer dabei, den 2148 Meter hohen Ijen zu besteigen. Zwischen 2 und 4 Uhr machen sich die Schwefelarbeiter auf den Weg zu ihrer Arbeitsstelle. Gegen 6:30 Uhr kamen auch wir, in Schweiß gebadet und mit schmerzenden Oberschenkeln, am Kratersee des Ijen an. Dort treten neben einem türkisem See Schwefelgase aus, die durch Rohre geleitet und abgekühlt, in Form von purem Schwefel abgebaut werden....